Übung macht den Meister, oder?
Man benötigt 10.000 Stunden an Übungen und man ist ein Meister seines Fachs. Die Basis dieser Aussage beruht auf einer Studie aus dem Jahr 1993.
Die Studie, die von Ericsson, Krampe und Tesch-Römer ins Leben gerufen wurde, beschäftigte sich mit Geigenschülern an einer deutschen Musikakademie.
Die Popularität dieser Studie kam, als Malcolm Gladwell, diese Studie in seinem Buch „Outliers“ aufgriff.
Doch schafft man es, mit genug Übung, ein Meister seines Fachs zu werden?
Üben, Üben, Üben …
Der Glaube, dass man nur lange genug üben muss, um wahrhaft Großes in seinem Bereich leisten zu können, entspricht nicht der Wahrheit.
Die 10.000-Stunden-Regel besagt, dass man stundenlang üben muss, um ein wahrer Profi zu werden. Jedoch ist das Entscheidende, dass man sich bewusst Zeit dafür nimmt, sich zu verbessern.
Ericsson beschrieb es in einem Interview wie folgt:
„That’s a kind of practice where you’re not actually doing your job, you’re actually taking time where you’re focusing in on trying to improve.“
- Quelle: Inc., What Malcolm Gladwell Got Wrong, From the Author of the ‘10,000 Hours’ Study
Es gibt also keine Garantie, dass man eine wahre Koryphäe in einem Bereich werden kann, wenn man 10.000 Stunden übt. Übung ist wichtig, aber sie ist keine Garantie dafür, dass man ein Meister in einem Fach wird.
Die Meisterschaft des Lebens
10.000 Stunden zu üben, ist ein enormer Aufwand. Rechnet man diese Anzahl an Stunden in Wochen um, sind es beinahe 60 Wochen an Übung.
Vermutlich liegt die Kunst des Lernens darin, dass man sich nicht nur in einem Bereich weiterbildet, sondern es schafft, Themenfelder miteinander zu kombinieren und flexibel zu bleiben.
Man denke nur an das Thema Marketing. Zwar sind die Grundprinzipien nach wie vor dieselben, doch die Plattformen und Möglichkeiten haben sich verändert. Statt Zeitungsinserate und Werbespots benötigt man heutzutage kreative Ideen für TikTok Videos und YouTube Vlogs.
Wenn man nun 10.000 Stunden damit aufbringen würde, ein Meister im Bereich „TikTok Videos“ zu werden, wird am Ende dieser langen Reise vermutlich eine neue Fähigkeit gefragt sein.
Ein besserer Zugang ist also, dass man sich zeitgleich in mehreren Bereichen weiterentwickelt.
Verkäufer befassen sich mit Flirten. Marketers befassen sich mit Neurowissenschaften. Designer befassen sich mit Copywriting. Fotografen befassen sich mit Geschichte. Shoparchitekten befassen sich mit System 1 und System 2 von Daniel Kahneman.
Diese Konnektivität sorgt für eine höhere Bereitschaft, die Zukunft trotz diverser Veränderungen aktiv mitzugestalten.